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Menschen in verschiedenen Dimensionen helfen

Unter diesem Motto steht die Arbeit der Palliativmedizin in Darmstadt, die schwerstkranken Menschen die Möglichkeit gibt bis zu ihrem Lebensende optimal versorgt zu sein. Sie befindet sich seit einigen Jahren in einem stetigen Wachstum, was unter anderem Dr. Mathias Pfisterer zu verdanken ist. Er ist Arzt für Geriatrie und Facharzt für Innere Medizin, aber auch Leiter des Palliativdienstes im Elisabethenstift.
Stadtleben.de hat mit ihm gesprochen und einiges über seine Arbeit erfahren können.

Stadtleben.de: Seit 2007 sind Sie am Elisabethenstift tätig. Wie sind Sie nach Darmstadt gekommen?
Mathias Pfisterer: Also studiert habe ich Medizin in Heidelberg. Mein Schwerpunkt lag hier auf der Altersmedizin, der sogenannten Geriatrie. An der Uniklinik Heidelberg habe ich mein Studium beendet und die Altersmedizin dort etabliert. Wie erwähnt, wechselte ich 2007 nach Darmstadt und übernahm dort unter anderem die Leitung der Palliativstation. Diese befand sich 2002 noch in den Kinderschuhen, doch es ist uns in den letzten Jahren gelungen sie weiter auszubauen. Mit Erfolg. Wir konnten große Fortschritte verbuchen und die Versorgungssituation stark verbessern. Inzwischen betreut das Palliativnetz Darmstadt die Landkreise Darmstadt Stadt, Darmstadt Dieburg und Groß Gerau. Es gibt verschiedene ambulanten Dienste, die 24 Stunden am Tag im Einsatz sind um für die Patienten und deren Angehörige erreichbar zu sein. Dies ist die Besonderheit der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, dass ein Patient, so lange sein Zustand dies erlaubt, zu Hause versorgt werden kann.

Stadtleben.de: Das bedeutet also, dass ein Palliativteam gewisse Anforderungen erfüllen muss?
Mathias Pfisterer: Exakt. Es gibt gewisse Qualitätsanforderungen. Krankenschwestern und Pfleger müssen neben der normalen Ausbildung eine spezielle Fachausbildung im Bereich Palliativ-Care gemacht haben. Erst nach einer Qualitätsprüfung durch die zuständigen Behörden und der Ausstellung eines Zertifikates, darf ein Krankenhaus eine Palliativeinrichtung errichten. Aber auch Fachärzte müssen an einer Weiterbildung teilnehmen und bereits Berufserfahrungen in diesem Bereich aufweisen können. Mir selbst kam damals beispielsweise meine Berufserfahrung in der Geriatrie zu gute.

Stadtleben.de: Man könnte also sagen, dass die Geriatrie dort aufhört, wo die Palliativversorgung ansetzt?
Mathias Pfisterer: So leicht ist das nicht zu verallgemeinern. Der Schwerpunkt der Geriatrie liegt viel mehr darauf, die Patienten wieder fit zu machen. Und es ist tatsächlich sehr oft der Fall, dass diese Patienten nach einiger Zeit wieder nach Hause entlassen werden können. Die Palliativmedzin hingegen, konzentriert sich vor allem auf ein Lindern des Leidens, und darauf, dass der letzte Weg eines Menschen, so gestaltet wird, dass er optimal auf diesen Menschen passt. Ob dies in gewohnter Umgebung oder stationär geschieht, hängt natürlich immer vom Patienten und dessen körperlicher Verfassung ab.

Stadtleben.de: Wie sieht so ein "optimaler letzter Weg" aus?
Mathias Pfisterer:
Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt verschiedene Arten einen "letzten Weg" zu gestalten, wie gesagt, es kommt immer auf den Patienten und seine Vorlieben an. Manche Patienten wollen einfach ihre Ruhe haben um sich selbst zu finden und vorzubereiten. Andere wollen Jazz hören, malen oder selbst Musik spielen. Es gibt viele Möglichkeiten der Patientenbetreuung.

Stadtleben.de: Was sind Ihre eigenen Erfahrungen mit Patienten?
Mathias Pfistere: Ich erinnere mich an einen Patienten, der erzählte, er sei noch nie im Urlaub gewesen. Durch die Trägerschaft des Palliativnetztes ermöglichten wir ihm damals einen Kurzurlaub im Schwarzwald. Er schickte eine Karte und schilderte darauf sein Glück und als er nach Darmstadt zurückkam, war er wie ausgewechselt und verstarb einige Tage darauf als einer der glücklichsten Menschen der Welt. Auch war es einmal möglich, einem Patienten den Wunsch zu erfüllen, vor seinem Tod noch zu heiraten. Es wurde eine Trauung direkt auf der Station organisiert.

Stadtleben.de: Sind solche Erfahrungen eine Motivation für Ihre Arbeit?
Mathias Pfisterer: Ich empfinde meine Arbeit als sehr sinnstiftend. Es ist unheimlich wichtig sich viel Zeit mit jedem einzelnen zu nehmen, da das Leid von Schwerstkranken zu Lindern im Mittelpunkt steht. Es ist einfach dieses Gefühl, dass jemand angemessen begleitet wurde, was einen antreibt.

Stadtleben.de: Was können Sie angehenden Medizinstudenten mit auf den Weg geben?
Mathias Pfisterer: Ich kann nur jedem raten, an Palliativseminaren teilzunehmen. Diese finden jedes Jahr in verschiedenen Krankenhäusern in ganz Deutschland statt und sind besonders für Studenten ausgelegt. Hier bekommt man viele Informationen rund um die Palliativversorgung, sodass jeder seinen Horizont erweitern kann. Selbst Ärzte, die bereits seit vielen Jahren praktizieren, waren überrascht, was sie dank eines solchen Seminars alles dazu lernen konnten.

Stadtleben.de: Vielen Dank für das Interview Herr Dr. Pfisterer.
Mathias Pfisterer: Ich danke Ihnen.


Mehr Informationen zu solchen Seminaren sind unter http://www.emagister.de/seminare/seminare_palliativ_care-esn232070.htm zu finden.

Artikel von Redakteurin Patricia Popp




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