Interview mit René Nothnagel vom Huckebein
stadtleben.de (SL): Unser letztes Interview mit dir ist ja schon knapp 2 Jahre her, kurz nach dem Umbau. Wie hat es sich denn seitdem entwickelt bei euch?
René Nothnagel (RN): Auf den Umbau haben wir sehr gute Resonanz, kaum Stimmen, die nicht so angetan sind. Wir haben ja auch versucht, den Charakter zu erhalten, eher sanft zu modernisieren, anstatt alles herauszureißen und neu zu machen. Wir haben versucht, Reto-Stil mit modernster Technik zu kombinieren. Quasi so das Huckebein 2.0.
SL: In all den Jahren, jetzt erst 2.0?
RN: Naja, eher so 5. Irgendwas, weil es gab ja immer schon Umbauten und Anpassungen.
SL: Für alle, die das Huckebein nicht vorher kannten, was habt ihr denn alles umgebaut?
RN: Von der Tür im Eingangsbereich angefangen, hin zur Bar 1 hoch bis zur Bar 2, die wir jetzt zur Eisbar umgebaut haben. Die Cocktailbar wurde erhalten und zusammen mit der halben Galerie zum Raucherraum umgebaut, um hier auch den neuen gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen. Das sind so die sichtbaren Hauptpunkte, aber eben auch insbesondere in Punkto: Technik haben wir auch sehr viel getan.

SL: Wo du es grade angesprochen hast, habt ihr das am Umsatz gemerkt das Rauchverbot in Gasträumen?
RN: Dadurch, dass wir hier früh reagiert haben und die Raucherräume gleich zu Beginn hatten, haben wir es kaum gemerkt. Man musste es nur allen Gästen erstmal kommunizieren, da liefen Anfangs die Leute noch wie vorher mit Zigarette durch den Laden, aber das war auch relativ schnell geklärt. Hätten wir aber nicht die Möglichkeit gehabt, die Raucherräume so einzubauen, hätten wir es sicherlich stärker gemerkt.
SL: Für den, der noch nicht bei euch war, beschreib doch mal, was das Huckebein ist, wofür ihr steht?
RN: Wir sind in allen Belangen vielseitig. Was das Publikum angeht, hier geht unser Spektrum durch fast alle Alters- und Gesellschaftsgruppen. Wir haben Specials, wie zum Beispiel die 90er-Partys, aber auch reguläre Veranstaltungen wie unsere Ü30-Party am Freitag und Samstags Saturday’s Finest, so als unsere Standards. Wer auf gutem Level feiern gehen möchte, mit guter Musik, guten Getränken und guten Leuten, der ist bei uns gut aufgehoben. Wir haben jetzt zum Beispiel auch die Dream Dance Clubtour, eher so die Elektro-Schiene, also man sieht, es ist für alle Geschmäcker was dabei.
SL: Du hattest grade die 90er Partys angesprochen, für alle, die es noch nicht kennen, wen hattet ihr schon da, wer kommt noch?
RN: Also, im Januar hatten wir Captain Jack da, zusammen mit DJ Sputnik, der auch noch eine geile Party drumherum gemacht hat. Dann im März war Mr. President da, auch eine tolle Party, er selbst blieb auch bis zum Ende da, bis wir die Lichter angemacht haben. Die nächste 90er Party ist dann am 21.Mai, mit einem großen Highlight, nämlich East 17, kennt sicher jeder noch, um genauer zu sein, dem damaligen Sänger Brian Harvey. Das wird bestimmt ein riesen Knaller wieder! Und an paar anderen sind wir aktuell auch dran, ist aber noch nicht spruchreif.
SL: Wie seht ihr denn dem Sommer entgegen? Ist für viele Clubs ja immer etwas schwieriger?
RN: Das ist sicher so. Wir machen im Sommer jetzt nicht die ganz großen Acts, sondern eher unser „Normalprogramm“, aber so extrem war der Besucherrückgang im Sommer bei uns in den letzten Jahren auch nicht. Wir kommen da immer ganz gut durch.
SL: Ihr habt ja das Glück, oder auch das Können, dass ihr euren Laden ja immer relativ konstant voll habt, was ja in Darmstadt nicht überall so der Fall ist. Wie würdest du denn die Situation in Darmstadt insgesamt im Clubbereich einschätzen?
RN: Es ist sicher ein schwieriges Pflaster. Woran das jetzt genau liegt, wüssten wir alle gerne. Darmstadt ist ja eine immer noch wachsende Stadt, auch Studentenstadt, sollte also eigentlich einfach sein. Aber es ist schon so, dass die Gastronomie in Darmstadt schwierig ist. Wir haben aber nicht so die Probleme, da es bei uns ja etwas später „losgeht“ vom Alter her. Wir haben da ganz gut unsere Lücke gefunden.

SL: Es ist ja auch immer eine Auf- und Abbewegung. Es gab ja auch Zeiten, wo es in Darmstadts Nachtleben mehr Locations gab.
RN: Definitiv. Ich denke, dass es auch etwas mit der allgemeinen Wirtschaftslage zu tun hat, denn wenn das Geld knapper wird, sparen die Leute zu erst beim Weggehen. Manchmal hat es auch an der Konstanz bei manchen gehapert, dass man Konzepte, die nicht nach 2, 3 Wochen gelaufen sind, gleich wieder aufgegeben hat, und wieder etwas Neues probiert. Das verunsichert das Publikum . Wir hatten natürlich auch immer mal so Phasen, unser Freitag lief auch mal nicht so gut. Nur haben wir dann mit unserer Ü30-Party dann eine gute Lösung gefunden. Das läuft jetzt seit 6 Jahren und die Leute wissen da auch, was sie erwartet. Man braucht immer etwas Zeit und Geduld, aber wir haben ja auch genug gute Gastronomen in Darmstadt und ich denke, es wird da auch bald wieder mehr geben.
SL: Das klang ja bei dir eben auch durch, dass man eben neuen Sachen auch etwas Zeit geben muss, sich zu etablieren, nicht gleich wieder umzustellen, wenn es nicht gleich läuft und am Ball zu bleiben.
RN: Ja, das sind ja Probleme, die auch wir kennen, man muss da eben sein Profil schärfen und das auch nach Außen hin transportieren. Das dauert manchmal seine Zeit, aber den Atem muss man eben haben. Man darf auch nicht stehen bleiben, muss auch immer an seinen Konzepten feilen, dann stehen die Chancen gut. Wir sind ja auchbei weitem nicht allwissend, aber so ein paar Erfahrungswerte hat man dann ja in 37 Jahren gesammelt.
SL: Ihr hab ja auch altersmäßig eine breite Basis, von 18 bis, was würdest du sagen?
RN: Ja, das geht so bei 18 los, Samstags dann bis etwa Anfang 30, freitags bei der Ü30 natürlich älter, da geht es erst bei Mitte bis Ende 20 los, und dann schon auch bis 50 und bisschen mehr. Einfach alle, die sich mit der Musik identifizieren können. Bei uns läuft auch bei der Ü30 nicht die ganz typische Ü30 Musik, sondern eine gute Mischung, die auch viel Aktuelles beinhaltet.
SL: ich hatte grade auf dem Flyer gesehen, ihr macht Donnerstags doch wieder was?
RN: Ja, das ist erstmal eine einmalige Sache am Vorfeiertag, da werden wir mal sehen, wie es angenommen wird. Die Ladies Night war ja jahrelang der stärkste Tag bei uns, da mussten wir teilweise um 23 Uhr die Tür zumachen, weil es schon so voll war. Jetzt probieren wirs mal wieder.
SL: Okay, was erwartet den Gast denn noch so bei euch in den nächsten Wochen?
RN: Also, am 16. Haben wir ja das Frühlingserwachen in Bessungen, da war letztes Jahr die Hütte richtig voll. Dieses Jahr mit der Boom-Gang live, das wird sicher wieder gut. Die Woche drauf ist dann Ostern, donnerstags mit der schon angesprochenen Ladies Night, Samstags dann die Sexy Bunny Night und Sonntags dann noch ein Highlight, die Dream Dance Clubtour. Dream Dance ist sicher vielen ein Begriff, die CD-Compilation, und auf der aktuellen Releasetour sind die am Sonntag bei uns. Eine Woche drauf ist dann schon das nächste Highlight mit dem Tanz in den Mai. Man sieht, es wird jede Menge geboten.
SL: Und bei so Specials, wie Tanz in den Mai sieht man ja, Darmstadt hat ja genug Leute, nur wo gehen die an normalen Wochenenden hin? Man sieht ja auch das Thema des immer späteren Weggehens, was dem Gastronom ja auch wehtut, weil die Leute dann weniger lange im Laden sind und dort Umsatz machen.
RN: Dem versuchen wir ja an normalen Samstagen entgegenzusteuern, indem die Ladies bis 23 Uhr freien Eintritt haben. Es gibt so ein paar Sachen, mit denen man da etwas gegen arbeiten kann, wobei man ja auch grade im Sommer schon merkt, dass die Leute später weggehen. Wichtig ist hier auch, dass unser Thekenpersonal gut geschult ist, und die Gäste zügig bedient, damit sie nicht noch lange warten müssen.

SL: Fassen wir nochmal zusammen, wie sich das Ausgehverhalten geändert hat: die Leute gehen später weg, bleiben dafür nicht länger. Wie hat sich denn das Verhalten im Club verändert? Sind die Leute friedlicher, aggressiver, trinken sie mehr, trinken sie weniger?
RN: Da spielen auch viele äußere Einflüsse rein. Grade in den „Krisenzeiten“ hat man gemerkt, dass die Leute weniger Longdrinks konsumieren, mehr hin zu Bier oder Softdrinks. Momentan laufen wieder mehr Longdrinks und das Bier geht etwas zurück. So ein bisschen kann man da schon was ablesen. Das es aggressiver geworden wäre, naja, wir versuchen schon sowas vor der Tür zu lassen, dass es drinnen eine friedliche Party gibt. Generell ist das Aggressionspotential schon etwas hochgegangen, grade was draußen an der Tür angeht.
SL: Gibt es denn Expansionsgedanken? Also das Huckebein in andere Städte zu exportieren, oder was ganz Neues noch zu machen?
RN: Es gibt da schon ein paar Sachen, die in Planung sind. Zuerst einmal wollen wir hier noch expandieren und einen Außenbereich schaffen, was leider ein etwas langfristigeres Unterfangen ist, mit allen notwendigen Genehmigungen. Das war der erste Punkt. Was den zweiten angeht, am Schauen sind wir immer, aber aktuell gibt es nichts konkretes.
SL: Wohin meinst du geht es in den nächsten Jahren im Clubbereich hin? Musikalisch wie auch vom Konzept her?
RN: Ich habe so bisschen das Gefühl, dass die Großraumgeschichten ein wenig rückläufig sind, beim jüngeren Publikum geht das noch, aber die älteren gehen eher in kleinere Läden, die auch zentraler gelegen sind, also kurz eher kleinere Clubs in der Stadt als Großraum am Stadtrand. Service und Qualität spielen hier eine große Rolle. Das ist so meine Einschätzung.
SL: Zum Schluss noch: Gibt es sowas wie „das“ Huckebein-Getränk?
RN: In den letzen Monaten lief im Shotbereich der „Kamikaze“ gut, auch etwas durch das Personal mitgeprägt, die haben das eingeführt und das hat sich dann auf die Gäste übertragen. Das ist momentan so das „Trendgetränk“ bei uns.
SL: Dann danken wir dir für die interessanten Einsichten und Hintergründe, René! Und bis bald im Huckebein.
Einen Einblick ins Huckebein gibt's HIER!

