"Nathan der Weise" im Staatstheater
Am 19. Januar wurde das Stück "Nathan der Weise"- dramatisches Gedicht- von Gotthold Ephraim Lessing wieder aufgenommen.stadtleben.de war für euch dabei.
Zum Inhalt:
Die Handlung spielt zur Zeit des Dritten Kreuzzugs (1189-1192) während eines Waffenstillstandes in Jerusalem.
Als der Jude Nathan von einer Geschäftsreise zurückkommt, erfährt er, dass seine Pflegetochter Recha von einem jungen christlichen Tempelherrn aus dem Feuer seines brennenden Hauses gerettet worden ist. Der Ordensritter verdankt sein Leben der Begnadigung durch den muslimischen Herrscher, Sultan Saladin. Dieser hat ihn als einzigen von zwanzig Gefangenen begnadigt, weil er Saladins verschollenem Bruder Assad ähnlich sah. Trotz der Unwahrscheinlichkeit der Ereigniskette ist Nathan nicht bereit, hierin ein Wunder zu sehen, und er überzeugt auch Recha davon, dass es schädlich sei, an das Wirken von Engeln und an Wunder zu glauben.
Durch geschickte Rede überzeugt Nathan den antijüdischen Tempelherrn, dass es sinnvoll sei, ihn, Nathan, zu besuchen, um den Dank seiner Tochter entgegenzunehmen.
Derweilen hat Saladin Geldsorgen, weswegen er Nathan zu sich bringen lässt. Er gibt dazu vor, Nathans bekannte Weisheit zu testen, und fragt nach der „wahren Religion“. Nathan antwortet mit der Ringparabel. Saladin versteht schnell die Botschaft von der Gleichberechtigung der drei monotheistischen Religionen. Davon tief beeindruckt, bittet er, Nathans Freund sein zu dürfen. Noch erfreuter zeigt er sich, als er von Nathan ein Darlehensangebot erhält, ohne danach gefragt zu haben.
Der Tempelherr hat sich unterdessen in Recha verliebt und möchte sie heiraten. Als er durch Information von Nathans Gesellschafterin Daja, einer Christin, herausfindet, dass Recha adoptiert ist und ihre leiblichen Eltern Christen waren, wendet er sich an den Patriarchen von Jerusalem, auch weil Nathans Reaktion auf die Idee einer Heirat sehr zurückhaltend ausgefallen ist. Der Tempelherr erzählt so, als handele es sich um einen hypothetischen Fall, doch das Kirchenoberhaupt Jerusalems möchte sofort „diesen Juden“ suchen und ihn wegen Apostasie auf den Scheiterhaufen bringen lassen.
Durch ein Verzeichnis eines Klosterbruders stellt sich schließlich heraus, dass die von einem Juden erzogene Recha und der christliche Tempelherr Geschwister und zugleich die Kinder von Assad sind, der wiederum Saladins Bruder und Moslem war. Somit sind sie auch noch Nichte und Neffe des Muslims Saladin, womit die enge Verwandtschaft der Religionen nochmals verdeutlicht wird. Nathan wird als Vater im Sinne der Seelenverwandtschaft und Adoption anerkannt. (wikipedia.de)
Und nun zur Aufführung in Darmstadt:
Für die vielen Jugendlichen die die Aufführung besuchten war es sicherlich eine Pflicht (immerhin ja ein Standardwerk im Deutschunterricht), die sich aber im Laufe der Vorstellung in Begeisterung verwandelte, was spätestens beim Schlussapplaus deutlich wurde.
Der immer noch aktuelle Inhalt des Stücks, in dem Nathan freundschaftliche Beziehungen zu Christen und Moslems aufbauen, und so die Gräben und Mauern der Feindschaft und Engstirnigkeit überwinden lernt findet sich im hervorragend gestalteten Bühnenbild wieder. Hier werden diese Wände, die sich immer wieder öffnen und schliessen, dem Publikum deutlich gemacht und spiegeln so perfekt den Inhalt des Stückes wieder.
Die routinierten und erfahrenen Darsteller des "Darmstädter Teams" spielen überzeugend und machen uns Zuschauer nachdenklich, da der Inhalt auch die heutige Zeit immer noch reflektiert.
Und somit versucht Nathan noch immer "Die Welt zu retten".
Klarer Besuchstipp, da ein klassicher Stoff als tagesaktuelles Thema spannend und zeitgemäß interpretiert auf die Bühne gebracht wurde.

