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Die Stadionkarte – Abzocke oder sinnvolles Bezahlsystem?

Die meisten Bundesligisten setzen in ihren Stadien auf sogenannte Stadionkarten, mit denen die Fans ihr Bier oder die Bratwurst bargeldlos bezahlen können. Das soll den Geldtransfer vereinfachen und lange Schlangen vor den Bierständen verkürzen. Doch es hagelt auch Kritik von den Fans und Verbraucherzentralen bezüglich der Rückerstattung von Restguthaben oder Kartengebühren. Ein Undercover-Test der ARD-Radio-Recherche Sport hat die Missstände aufgedeckt. Nun drohen den Bundesligisten rechtliche Konsequenzen.

Die beleuchtete Allianz Arena bei Nacht
Bild: Der Kauf von Wurst und Bier in der Münchner Allianz Arena soll durch die Arenacard eigentlich vereinfacht werden. Doch die Fans sind verärgert. Bildquelle: HUANG Zheng – 397260415 / Shutterstock.com

Arenacard verursacht Ärger beim FC Bayern München

In der Bundesliga läuft es, wie von Vertretern von www.wettanbieter.de vorhergesagt, absolut bestens. Der Platz an der Tabellenspitze scheint für den Rekordmeister auch dieses Jahr wieder gesichert zu sein. Einzig der Rekordaufsteiger aus Leipzig nimmt die Rolle eines Bayernjägers einigermaßen an. Doch nur eitlen Sonnenschein gibt es auch bei den Münchnern nicht. Wegen der umstrittenen Arenacard droht jetzt auch rechtlicher Ärger.

Die Rede ist von der Stadionkarte, in München als „Arenacard“ bezeichnet, die in den meisten Bundesligastadien mittlerweile zum festen Inventar gehört. Mit ihr können die Fans bargeldlos bezahlen. Der Verkauf von Bier und Bratwurst im Stadion soll so einfacher, schneller und hygienischer ablaufen.

Die Wahrheit sieht aber zum Leidwesen der Anhänger etwas anders auch, wie jetzt ein Undercover-Test der ARD-Radio-Recherche Sport zeigt. Das umstrittene Bezahlsystem wurde in fünf Bundesligastadien in Zusammenarbeit mit Verbraucherschützern untersucht und getestet. Die Ergebnisse sind niederschmetternd. „Abzocke“ der Fans lautet das allgemeine Fazit.

Die Kritikpunkte an der Stadionkarte

Die Ergebnisse der Recherche stellten sich dermaßen negativ für die Anhänger der Vereine dar, dass die Verbraucherzentralen in Nordrhein-Westfalen und Bayern die Vereine FC Schalke 04, FC Bayern München und den FC Augsburg abmahnen wollen. Zudem sollen die betroffenen Vereine per Gerichtsbeschluss dazu gezwungen werden, die Regeln für die Rückerstattung von Restbeträgen auf den Stadionkarten kostenlos und einfacher zu gestalten.

Auch die Verbraucherzentrale in Hessen will wegen der Missstände in der Commerzbank-Arena in Frankfurt rechtliche Schritte prüfen. Ebenfalls mussten sich Borussia Dortmund sowie die Hertha aus Berlin bezüglich ihrer Bezahlsysteme Kritik anhören. Allerdings fielen sie weniger drastisch aus als beispielsweise bei der Arenacard aus München.

„Man muss sich anstellen, um die Karte zu bekommen. Man muss sich anstellen, um dann die Getränke und das Essen zu kaufen. Und schlussendlich muss man sich nochmal anstellen, um die Karte umzutauschen und sein Geld wieder zurückzubekommen“, kritisierte Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern nach der Recherche in der Allianz-Arena München.

Auch die Kartenrückgabe fällt in den Kritikbereich mit hinein. „Es gibt zu wenig geöffnete Schalter und viele Wege, da wird nicht ausreichend getan.“ Das werfe Fragen in den Raum bezüglich der Restguthaben: „Was passiert mit den Geldern, die nicht zurückabgewickelt werden? Von welchen Summen sprechen wir hier und was macht der Verein damit?“

Die Kritikpunkte nochmals in der Übersicht:
  • Einfachheit und Transparenz beim bargeldlosen Bezahlen sind nicht gewährleistet. Im Gegenteil ergeben Aufladung und Rückgabe der Stadionkarte zusätzlichen Aufwand.
  • Erhobene Gebühren bei der Rückerstattung von Restguthaben.
  • Zu kurze Gültigkeit der Stadionkarten und die damit zu kurz bemessene Frist, in der die Rückerstattung erfolgen kann.
  • Zu wenige geöffnete Rückgabe-Schalter sowie teilweise lange Wege zu den Schaltern.

 

Millionenerträge durch Abzocke

Allein der FC Bayern München konnte im Jahr 2010 einen Betrag in Höhe von 2,4 Millionen Euro durch verfallene Restbeträge auf der Arenacard als Ertrag ausweisen. Seitdem werden vom Verein keinerlei Angaben mehr zu derartigen Zahlen gemacht. Die Kritik wird größtenteils ignoriert. Einzig das Bezahlsystem Arenacard wird verteidigt.

Zumindest bei den einbehaltenen Angaben über die verfallenen Restbeträge bewegt sich der FC Bayern München laut der Bilanzexpertin Prof. Regine Buchheim von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin im Bereich des Gesetzes: Die betroffenen Beträge müssten nicht mehr angegeben werden, „da hat sich die Transparenz-Vorgabe des Gesetzgebers leider verschlechtert. Das gilt für alle Unternehmen, die nicht Börsen notiert sind. Man kann ab dem Geschäftsjahr 2011/2012 viel weniger von der Rechnungslegung von nicht Börsen-notierten Unternehmen, die veröffentlicht wird, herauslesen.“

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) könnte die Problematik mit festen Vorgaben relativ schnell aus der Welt schaffen, entzieht sich dem Thema jedoch weitestgehend. Die Fans hingegen gehen auf die Barrikaden. Rainer Vollmer von der Fangemeinschaft „Unsere Kurve“ sagte genervt zu der Thematik: „Das ist ja nichts anderes als ein zinsloses Darlehen, das ich dem Verein gebe. Und da wäre schon mal interessant, wie viel dann letztendlich an Geld den Vereinen zur Verfügung gestellt wird, und womit die dann sofort arbeiten können.“

Infografik zu den Bier- und Bratwurstpreisen in den Stadien der Bundesliga
Infografik: Die Bundesligavereine generieren einen großen Teil der Spieltagseinnahmen durch den Verkauf von Bier und Bratwurst. Infografikquelle: eigene Darstellung

Reaktionen der betroffenen Vereine

Die Verantwortlichen der betroffenen Vereine geben sich dem Thema gegenüber äußerst wortkarg. Aus München kam lediglich die Ansage, dass jede werthaltige Karte ohne zeitliche Begrenzung rückerstattet wird, auch nach Ablauf der eigentlichen Frist. Ebenfalls wehrt sich der FC Augsburg und ließ verlauten, dass „die Rückzahlungen kulant und nicht streng nach AGBs gehandhabt werden.“

Auch aus Gelsenkirchen vom FC Schalke 04 kamen verteidigende Worte: „Beim Einsenden der Karten entsteht ein hoher Aufwand, welcher mit der Gebühr von drei Euro belegt wird. Die lange Frist besteht aus buchhalterischen Gründen, die Beträge werden schnellstmöglich ausgezahlt.“

Gerechtfertigt wird die Gebühr bei der Rückerstattung von den Betreibern der Arenacard in München mit dem hohen Aufwand, der bei der Rückzahlung entsteht. Die Verbraucherzentrale wehrt sich dagegen entschieden und fordert energisch die Verlängerung der Rückzahlungsfrist und die Aufhebung der Gebühren.

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