Kreativgeist Kay Mack im Interview
Nur wenige kreative Köpfe können von sich behaupten das Gesicht der Region Rhein-Main entscheidend mit geprägt zu haben. Kay Mack, Frankfurter Designer-Legende, ist einer dieser Köpfe. Seit über zehn Jahren wirkt er gestalterisch u.a. im Gastronomie-Bereich und setzt regelmäßig Trends und Maßstäbe mit seinen Objekten. Wir haben Kay Mack exklusiv für ein Interview gewinnen können, um uns mit ihm über aktuelle und vergangene Projekte zu sprechen und seine Ansichten über die Region Rhein-Main zu hinterfragen.stadtleben: Hallo Kay. Viele der Leser des Interviews haben indirekt schon mit dir zu tun gehabt. Kannst du ihnen das erklären?
Kay Mack: Das ist eigentlich einfach zu erklären. Man könnte sagen, dass ein Großteil der Frankfurter unter 40 Jahren eines meiner Projekte besucht hat oder zumindest damit konfrontiert wurde, da ich seit 1995 die Stadt mit der Gestaltung von Gastronomiebetrieben und Lebensräumen „beglücke“ (schmunzelt)
sl: Auf welche deiner Arbeiten bist du besonders stolz?
KM: Ich würde es nicht unbedingt von Stolz reden. Das Gefühl, was ich in mir trage, ist vielmehr mit einer gewissen Freude zu vergleichen. Freude darüber, dass man für viele Menschen eine direkte oder indirekte Rolle spielt. Ich freue mich darüber, dass es z. B. den King Kamehameha-Club und die Luna Bar nach 10 und 12 Jahren noch gibt, und mittlerweile schon von 2 Generationen erfolgreich angenommen wurde und noch immer wird. Und so ist es bei einigen meiner Projekte.
sl: Bist du mit deinen Arbeiten zufrieden? Ist alles so geworden, wie du es dir von Anfang an vorgestellt hast?
KM: Es gibt Arbeiten, die man mag und die einem besonders nahe stehen und Arbeiten, mit denen man nicht zu 100% warm wird. In jedem unserer Projekte steckt ganz viel Mühe, Kreativität und Arbeit, egal ob kleine Bar oder großer Club. Trotzdem entstehen immer mal kleine Fehler.
Die fallen häufig niemandem auf , aber ich kann mich jahrelang darüber ärgern. Volle Zufriedenheit ist für mich auf jeden Fall, ein Zustand, dem man sich vielleicht mal nähert, den man aber nicht erreicht. Es gibt immer etwas auszusetzen, was man besser machen könnte.
sl: Kay, du gestaltest in gewissem Maße Erlebniswelten, was sind die Grundpfeiler, die dabei zu beachten sind. Was darf man keinesfalls vergessen, um gestalterisch Emotionen zu wecken?
KM: Das allerwichtigste bei meiner Arbeit mit Kunden ist Demut! Das hört sich komisch an, ist aber tatsächlich für mich der wichtigste Punkt. Man darf nicht vergessen darf, dass wir Räume und Umgebungen für andere , nicht für uns gestalten.. Der Kunden und Gäste müssen sich wohl fühlen und man schafft Räume für sie. Wenn man das beherzigt gibt es eine Reihe von Punkten, die man darüber hinauseinhalten und beachten sollte. Diese drehen sich im Grund alle um die richtige Atmosphäre. Unser Erfolg ist stark davon abhängig, dass Menschen sich wohlfühlen und deshlab lange in den von uns geschaffenen Orten und Räumen verweilen.
sl: Atmosphäre spielt ein großes Thema bei deinen Arbeiten. Beschreibe uns deine ganz persönliche Sicht von Atmosphäre, wie kann man diese aufbauen?
KM: (lacht) Geschäftsgeheimnisse werden hier eigentlich nicht verraten! Es gibt 3 - 4 wesentliche und gan banale Faktoren, die wichtig sind und den „Wohlfühlfaktor“ steigern. Da ist zunächst das Licht, welches einen Raum atmosphärisch füllt, dann Luft, denn wer in einem Raum keinen Sauerstoff bekommt, fühlt sich dort nicht wohl. Wer sich auskennt weiss, dass das Licht und Farbe bzw. die Farbgestaltung das gleiche Thema sind. Dazu kommt noch zusätzlich die Haptik (Anm. d. Red.: Haptik bzw. die haptische Wahrnehmung ist das aktive Erfühlen von Größe, Konturen, Oberflächentextur, Gewicht etc.), also welchen Eindruck von Qualität geben uns diverse Sachen im Raum (durch Erfühlen etc.). Zudem werden Bewegungsflächen in Räumen, auch Verkehrsflächen genannt oft unterschätzt! Sind sie zu groß, fühlt man sich als Gast allein, sind sie zu klein, überkommt den Gast schnell das Gefühl von Platzangst. Wichtig bei meiner Arbeit ist, dabei den Mittelweg zu finden. Man sieht es sind verschiedenste Punkte, die die Atmosphäre eines Raums beeinflussen. Es gibt noch mehr Punkte. Diese hier alle auf zu zählen, würde hier aber den Rahmen dieses Gespräches sprengen.
sl: Mit Läden wie der Havanna Bar oder dem 190east hast du entscheidende Trends mit entwickelt. Kann man derzeit von Gestaltungstrends sprechen, die uns auch in Zukunft begleiten werden.
KM: Je älter man wird, ich bin selber Mittvierziger, desto mehr gerät man beim Thema Trends ins schmunzeln, denn fast alle Trends sind heute schon nach weniger als 2 Jahren vorbei. Man kann Trends mit in seine Arbeit aufnehmen, letztlich passiert das sogar unbewusst. Die eigene Arbeit sollte jedoch eigenständig sein und ihre eigene Sprache sprechen. Im Vertrauen in die eigene Sprache, in die Interaktion mit dem Kunden und seinen Wünschen liegt oftmals die Chance außergewöhnliches zu gestalten.
sl: Du sprichst von Kundenwünschen sind diese sehr trendabhängig?
KM: (schmunzelt) Ja, in vielen Fällen trifft das zu und ist auch verständlich, da viele Menschen sich an Trends entlanghangeln, wie an Sicherungsleinen. Trends geben Ihnen Sicherheit auf Kosten der Individualität und Eigenständigkeit. Es gibt dahingehend auch ein klares Stadt - Land Gefälle bzw. eine klare Trendverschiebung. Manchmal kommt es beispielsweise vor, dass wir auf dem Land die gedankenlose Demontage von Dingen verhindern, die in den Metropolen schon wieder angesagt sind und mühselig besorgen müssen.
sl: Gerade mit Blick auf die Vergangenheit, wie haben sich Trends deiner Meinung nach weiterentwickelt oder gewandelt?
KM: Es gibt größere Trends, die nicht ganz so schnelllebig sind, im Gegensatz dazu oder daneben gibt es auch kurze Trends, die kurz nach ihrem Höhepunkt wieder von der Bildfläche verschwinden. Seit Jahren ist z.B. der Hype um Cocktails und Zigarren kein Massenthema mehr. Auch die klassische, pure Cocktail-Lounge ist kein aktuelles Thema mehr. Diese Themen sind jedoch jetzt wieder dort, wo sie hingehören, bei den echten Liebhabern. Ganz sicher ist jedoch ein Farbtrend, der schon einige Zeit spürbar ist und sich sicherlich auch bald in der Breite durchsetzen wird: Die Farbgebung der 80er, also ein eher kühles Farbspektrum! Insgesamt werden die Farben wohl wieder blaulastiger.
sl: Viele Branchen sprechen von der Krise, wie sieht es in deinem Bereich aus? Ist die Architektur ebenfalls davon betroffen?
KM: In meinem Bereich ist davon aktuell nichts zu spüren. Es scheint zur Zeit eine zeigeteilte Gesellschaft zu sein. In dem Bereich, in dem Mack + Co arbeitet, haben wir sogar Probleme Handwerker zu finden. Es ist von der Auftragslage nicht weniger geworden, eher im Gegenteil…
sl: Welche Möglichkeiten ergeben sich durch die Krisenzeit?
KM: Selbst wenn man die Krise persönlich nicht erlebt, macht man sich natürlich Gedanken. Krisen sind in gewisser Weise eine Chance der Selbstreinigung. Man beginnt, meiner Meinung nach, nämlich erst in Krisenzeiten alles zu hinterfragen, in den Zeiten, in denen es gut läuft, vernachlässigen das die meisten.
sl: Du hast den Begriff „Gastrotektur“ erfunden, was kann man sich darunter vorstellen?
KM: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich ihn erfunden habe. Er ist aufgetaucht als Titel für einen Fernsehbericht über mich vor einigen Jahren. Zumindest erfülle ich ihn mit Leben. Ich finde diesen Begriff so passend für einen großen Teil meiner Tätigkeit, dass ich ihn für mich benutze.
Gastrotektur ist die Verbindung zwischen der Gastronomie und Architektur Dies ist ein so spannendes Themenfeld mit eigenen Gesetzen, dass es sich lohnt beide Begriffe zusammen zu führen. Es existieren ja auch Begriffe wie „Bar-„ oder „Clubdesign“, aber die Denke, dass die Gastronomie eine spezielle Architektur benötigt, ist so noch nicht weit verbreitet. Bei Mack + Co wird dieser Begriff besonders im Beratungsbereich verwendet.
sl: Abschließend nochmal zu deinen Projekten. Wie sehen deine laufenden Projekte aus? Was wird man in Zukunft noch von Kay Mack hören?
KM: (lacht) Meine Kunden sehen dass so, dass meine Projekte gut aussehen. Aktuell arbeiten wir an der Zentrale der Werbeagentur Publicis. Dort gestalten wir das Foyer, das ein zentraler Treffpunkt für Mitarbeiter und angesiedelte Firmen auf dem Schwedler Karree werden soll.
Nach wie vor sind wir stark im hochwertigen Wohnungsumbau vertreten, gestalten Luxusappartments und –wohnungen. Wir arbeiten wir derzeit an einem kleinen Café auf der Berger Straße in Frankfurt und arbeiten für Mavi Jeans, für die wir auch gerade den Messestand zur Bread & Butter gestalteten, an Showrooms für Berlin und Salzburg. Dazu kommen noch Projekte, die zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht an die Öffentlichkeit gehören.
sl: Vielen lieben Dank, für dieses offene Interview, welches einigen Lesern sicherlich einen Blick hinter die Kulissen deiner gestalterischen Arbeit gab. Wo findet man dich, wenn man mit einer tollen Idee für die perfekte Gastronomie hat und es nun darum geht diese Träume zu gestalten?
KM: Meist in meinem Büro in Alt-Eschersheim (den Kontakt findet ihr auf meiner Homepage www.mack-co.de) oder in der ein oder anderen Location beim inspirierenden Feierabendbier.

