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Dieter Nuhr bringt gute Laune in die Mainzer Rheingoldhalle

Nur Nuhr“ – der Titel von Dieter Nuhrs aktuellem Programm verspricht nicht zu viel: Ohne Bühnenbild, Pyrotechnik oder Begleitung kommt Deutschlands wohl bekanntester Kabarettist auf die Bühne, lediglich sein neuestes Buch hat er mitgebracht – „aber nicht, um so schamlos Werbung zu machen wie manch andere meiner Kollegen“. Die Hiobsbotschaft kommt jedoch gleich zu Beginn seines wegen großer Nachfrage zusätzlichen Auftritts in der Rheingoldhalle am Sonntagabend: „Ich rede jetzt einfach zweieinhalb Stunden über das Ergebnis der Landtagswahlen im Saarland“, sagt er, macht seine Drohung aber glücklicherweise nicht wahr.

Nach der nicht gelungenen Vorhersage des Brexit und des Wahlsiegs von Donald Trump sei aber klar, dass die Wahrsagerei in der Krise stecke. Auch der Hype um Martin Schulz konnte im Saarland der SPD nicht helfen. „Epikur sagte, Glück sei die Abwesenheit von Leid und das entspricht genau dem Zustand der SPD unter Schulz. Man gibt sich einfach nur damit zufrieden, dass Gabriel weg ist – das ist schon fast buddhistisch.“ Er selbst habe hingegen alles erreicht, was er sich vorgenommen habe, insbesondere, seit er auf dem letzten Album des Rappers Bushido beleidigt wurde. „Mich erfüllt das schon mit Stolz, dass ich scheinbar unter den jungen Leuten noch so bekannt bin, dass Rapper mich dissen.“

Doch Nuhr kann auch selbst austeilen, zum Beispiel gegen Korrektheitswahn in der Sprache: „Pädagogen erzählen, es hieße jetzt nicht mehr ,verhaltensgestört‘ sondern ,verhaltensoriginell. Wie darf ich mir das vorstellen? Ein Kind drückt dem anderen den Füller ins Auge und der Lehrer steht daneben und sagt: „Ach, wie originell!“

„Die Welt ist viel besser, als wir denken“

Nuhrs Paradedisziplin bleibt allerdings die Verbreitung guter Laune. Er prangert nicht nur an – er lobt auch. „Die Welt ist viel besser, als wir denken“ – genau dieser Satz beschreibt den Abend im Großen. „Es gab früher nicht weniger Krisen, es gab nur weniger Medien. Und wer sich den ganzen Tag irgendwelche Newsticker auf dem Smartphone reinzieht, der steht vermutlich auch montags in Dresden und glaubt, das Abendland ginge unter. Da wird man nämlich gaga von.“

Gekonnt bewegt sich Nuhr an der Grenze zwischen Nachdenklichkeit und Humor und vermeidet so, dass seine Auftritte weder zum Klamauk noch zur politischen Rede werden. Hierbei vertritt er häufig unkonventionelle Meinungen, die sich nicht so recht einordnen lassen. Das zeigt sich auch an der Zielgruppe: Die vertretenen Altersgruppen dürften nur bei wenigen anderen Comedians und Kabarettisten so divers sein. Und vermutlich ist es genau das Zusammenbringen verschiedener komödiantischen Genres, Ansichten und Gruppen, die ihn so erfolgreich machen – nur Nuhr eben.
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