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Gesellschaftskritik einmal anders - Was wir von Stromberg über unsern Büroalltag lernen

Richtige Helden sind immer alleine. So wie Tarzan. Der macht auch nicht erst 'nen Arbeitskreis und greift dann an die Liane“, dieses Zitat stammt aus der Serie „Stromberg“ und provoziert gleichzeitig folgende Frage: Ist es in unserer heutigen Arbeitswelt mittlerweile salonfähig geworden, sich rücksichts- und respektlos durchs Leben zu tricksen? Betrachtet man den fiktiven Charakter Bernd Stromberg könnte man zwangsläufig zu dieser Schlussfolgerung kommen. Nach dem Ende der aus 5 Staffeln bestehenden Serie im Jahre 2012 dachte kaum jemand, dass es derHorror-Chef tatsächlich auch noch ins Kino schaffen würde. Das klappte tatsächlich nur, weil mehr als 3.000 Stromberg-Fans die Produktion des Kinofilms mit etwa 1 Millionen Euro mitfinanziert hatten. Der Kinofilm setzte somit im besonderen Maße ein Ausrufezeichen hinter die Figur namens „Bernd Stromberg“, dem Chef der Abteilung Schadensregulierung der fiktiven „Capitol-Versicherung“. Fakt ist: Stromberg steht symptomatisch für einen ausgeprägten eigennützigen Opportunismus und Pragmatismus in deutschen Büros und das spricht sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer an.

Bernd lebt weiter: Gemütlich abends zu Hause seine Lieblingsfilmeim TV anzuschauen oder im Internet zu streamen, zählt wohl zu den beliebtesten Hobbies der Deutschen. Mit einem guten DSL-Anschlussgeht das kinderleicht, wenn auch nicht an jedem Ort in Deutschland gleichermaßen. Ein Verfügbarkeitscheck von DSL-Anbietern ist also vonnöten:Finden Sie hier Ihre Stadt und tauchen Sie noch heute in die Welt von Bernd Strombergs Büro ein! Im digitalen Zeitalter, in welchem über DVDs oder Online-Streaming jederzeit Filme und Serien abrufbar sind, ist Stromberg, Gott sei Dank, unsterblich.


Der Schauspieler Christoph Maria Herbst

Quelle: commons.wikmedia.org ©Michael Schilling (CC BY-SA 3.0)



Bernd ist realer als Sie denken: Zum Leben eines jeden erwachsenen Menschen gehört das Arbeitsleben. Wer schon einmal in einem Großraumbüro gearbeitet hat oder arbeitet, wird sich in der TV-Serie Stromberg“ über kurz oder lang wiederfinden. Der fiktive Abteilungsleiter Bernd Stromberg ist aus eigenen empirischen Beobachtungenund Geschichtenvon Arbeitnehmern entstanden.Bernd Stromberg ist hinterlistig, verletzend und vulgär. Er behauptet, ein beliebter und guter Vorgesetzter zu sein - nennt sich selbst sogar „Herbergsvater“ und „der Papa“ - und ist dennoch allzeit bereit, seinenSchützlingenin den Rücken zu fallen. Des Weiteren hat der ChauvinistStromberg keine Empathie, interessiert sich nur bedingt für seine Untergebenen und weist kaum fachliche und soziale Kompetenzen auf. Die Serie „Stromberg“ besticht also durch ihren Realismus: Die Komik wird nicht etwa mit reißerischen Pointen erzeugt, sondern durch Blicke, durch beiläufige Gesten und durch wohlgesetztePausen - also durch eine leicht ins Absurde überspannteAuthentizität.

Christoph Maria Herbst spielt Stromberg: Dass es eine Figur gibt, auf die Millionen deutsche Angestellte ihren Alltagsfrust projizieren können, ist Christoph Maria Herbst zu verdanken. Derbegnadete Schauspielerinszeniert durch seine Augen- und Körpersprache ein tief verunsichertes und gehetztes menschliches Wesen- ein Produkt unserer heutigen Arbeitswelt. Bernd Stromberg ist der Prototyp des überforderten Angestellten, ein Antipathieträger, mit dem man sich dennoch - trotz des übermäßigen Gebrauchs hyperbolischer filmischer Stilmittel - hin und wieder identifizieren kann.Der typische Stromberg-Fan ist laut Erich Maria Herbst ein „überdurchschnittlich intelligenter, eher männlicher Zuschauer“. Was auch immer der Grund ist, Stromberg letztendlich zu mögen - allein das regelmäßige Schauen der Serie sorgt dank des Mere-Exposure-Effekts schon dafür, diese sich immer wieder anzuschauen.

Bernd und das Wort „Fremdschämen“: Hätten Sie es gewusst? Das Wort „Fremdschämen“ wurde unter anderem erst wegen Bernd Stromberg in den Duden aufgenommen. Der Grund für die Aufnahme diesesNeologismuswaren zahlreicheneueTV-Formate wie beispielsweise „Stromberg“, die sehr auf dieses Gefühl setzten und dadurch das Wort infolgedessen immer mehr im gewöhnlichen Sprachgebrauch etablierten. „Fremdschämen“ kann gemeinhin interpretiert werden als ein Gefühl, welches jemand empfindet, wenn manMenschen dabei beobachtet, wie er oder sie einenKonformismus verletzt.

Bernd und die anderen Mitarbeiter: Mit einem hohenWiedererkennungswertbehaftet und damit ebenfalls symbolhaft für deutsche Büros sind - neben Bernd Stromberg - beispielsweise auch der demotivierteUlf, dasEnergiebündelErika, die immer ein offenes Ohr für die Sorgen der Kollegen hat (und diese Sorgen gerne auch weitertratscht) und der SonderlingErnie (Berthold), der nicht nur in puncto Sozialverhalten auf dem Stand eines Zwölfjährigen ist.Dieser Ansicht pflichtet auch der Bochumer Wirtschaftspsychologe Rüdiger Hossiep bei: Natürlich würden sich in der Serie „etwas zugespitzte Parallelen zum Arbeitsalltag“ befinden. In deutschen Chefs stecke jedoch genauso viel Stromberg wie Erika, Ernie oder Ulf in den Mitarbeitern stecken würde.


Bernd deutet die Lage in deutschen Büros: Stromberg hat die Geheimsprache der Chefetage dekodiert und für den Otto-Normalverbraucher greifbar gemacht. Dass das so ist, bestätigt auch Stromberg-Darsteller Christoph Maria Herbst. Er bekommt E-Mails von Versicherungen, die ihn zu Betriebsfeiern einladen. „Wenn Sie glauben, Sie würden Comedy machen, dann kommen Sie mal zu uns“, heißt es darin.Der Schauspieler findet es „kolossal, wenn mir Chefs in E-Mails gestehen, sie hätten sich in Stromberg wiedererkannt. Die Leute schauen sich eine vermeintlich kleine Büro-Comedy an und auf einmal wird Fernsehen zur moralischen Anstalt“.Während jedoch Stromberg trotz mieser Mobbing-Attacken immer noch mit seinen Angestellten feiern und reden kann, ist das in manchen deutschen Büros schon längst nicht mehr möglich. Viele Chefs haben, Herbst zufolge, eine verzerrte Selbstwahrnehmung und sehen sich selbst wie auch Stromberg als fürsorglichePapas. 99 Prozentder Chefs bewerten ihr Verhältnis zu den Mitarbeitern als gut oder sehr gut, das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des „Handelsblatts“.Gleichzeitig sind aber etwa 60 Prozent der Mitarbeiter mit ihrem Vorgesetzten eher unzufrieden, ergab wiederum eine Umfrage der Universität Bochum.Eine solch eklatante Diskrepanz zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmungliegt in der maßlosenSelbstüberschätzung von vielen Vorgesetzten. Diese wird begünstigt durch eine positive Verstärkung des eigenen Verhaltens aufgrund der Tatsache, dass sich nur wenige Untergebene trauen, gegen das Verhalten ihrer Vorgesetzten Widerspruch einzulegen.

Stromberg spendet also nicht nur allen Arbeitnehmer Trost und schenkt Arbeitgebern Gehör, sondern impliziert gleichzeitig auf seine besondere Art und Weise, dass durch transparente Kommunikation, echte Wertschätzung und wechselseitigem Vertrauen, das Arbeitsgefühl - wenn nicht sogar das Lebensgefühl - aller Arbeitenden maßgeblich verbessert werden kann. Daher der Rat an alle „Papas“: Achtet auf eure Schützlinge!

Abbildung 2: Der Zusammenhalt im Büro ist ein entscheidender Faktor für die eigene Lebenszufriedenheit.
Quelle: pixabay.com © StockSnap (CC0)
VÖ: lotte müller


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