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Berlin

Feiern auf den Trümmern der Mauer - die Geschichte der ersten Berliner Raves


Feiern auf den Trümmern der Mauer - die Geschichte der ersten Berliner RavesBerlin gilt als europäische Hauptstadt der elektronischen Musik. Auch wenn die legendäre Zeit der illegalen Techno-Partys nach dem Mauerfall längst vorbei ist - die Berliner Raves der Nachwendezeit wirken noch heute in der lokalen Musikszene nach.


Die Musikszene in Berlin ist äußerst vielfältig. Die Hauptstadt bietet jeglichem Sub-Genre eine Nische und ein Publikum. Mit der elektronischen Musik und der Techno-Szene ist sie aber besonders eng verbunden. Der Mythos Berlins als Elektro-Hauptstadt gründet sich vor allem auf die Geschichte der illegalen Raves, die die Techno-Community im ehemaligen Ost-Berlin nach dem Mauerfall populär machte. Der Reiz des Verbotenen und die Neugier auf das Niemandsland auf ehemaligem DDR-Boden trieben die Feiernden in den Berliner Osten. Illegale Partys fanden in Industriegebäuden, Kellerräumen und Bunkern statt und verwandelten jeden beliebigen Ort in einen temporären Club. Techno wird oft als der Soundtrack des Mauerfalls bezeichnet, obwohl sich eine organisierte Szene erst kurz danach entwickelte. Der "Sommer der Selbstermächtigung" im Jahr 1990 setzte eine Euphorie frei, die der Freude und dem Erstaunen über die rasanten gesellschaftlichen Umbrüche Ausdruck verlieh. Gefeiert wurde eine neue Freiheit, die sich auch in der Organisation der Partys widerspiegelte: Ohne Erlaubnis und oft ohne Einschreiten der Polizei verwandelten die Raves verlassene Gebäude in Tanzflächen.


Vom kleinen Rave zur Großveranstaltung


Zwei legendäre Musik-Veranstaltungen entstanden Anfang der 1990er-Jahre: 1991 war das Geburtsjahr der Mayday, die schon im ersten Jahr rund 5.000 Besucher anzog. Heute ist die Mayday der größte Indoor-Rave Deutschlands und findet in den Westfalenhallen in Dortmund statt. Und auch die Loveparade feierte 1991, nach einer kleinen Startveranstaltung 1989, ihr Debut als Techno-Straßenumzug auf dem Kurfürstendamm. Obwohl die Loveparade als politische Demo angemeldet war, ging es den Initiatoren um DJ Dr. Motte eher darum, gesellschaftliche Grenzen aufzulösen und die verschiedensten Menschen durch Musik zu verbinden - ein Anspruch, den die Techno-Szene heute noch stellt.

Der Rave ist tot - lang lebe der Rave


Die Zeiten der kleinen Raves in verlassenen Gebäuden sind vorüber. Hat die Geschichte der ersten Berliner Raves auf die heutige elektronische Musikszene trotzdem noch einen Einfluss? Ja, denn manche Urgesteine des 90er-Jahre-Techno mischen wortwörtlich heute immer noch als DJs oder Veranstalter in der Szene mit. Viele der legendären Hauptstadt-Clubs wurden von den ersten Ravern gegründet, die den illegalen Partys damit eine langfristige Bühne verliehen. Ein berühmtes Beispiel dafür ist der heutige Club Tresor, der nach dem Mauerfall als UFO Club gegründet wurde und nach der Eröffnung noch drei Jahre als illegale Location weiterbetrieben wurde. Illegale Partys und Open Airs werden auch weiterhin veranstaltet - nur ist deren Organisation durch die flächendeckende Bebauung und Besiedlung der Stadt und das inzwischen häufiger gewordene Einschreiten der Polizei viel schwieriger geworden. Die Kommunikation zwischen den Akteuren der elektronischen Musikszene findet deshalb hauptsächlich über Mundpropaganda und geschlossene Internet-Foren statt. Größere Events werden noch immer maßgeblich über Plakate oder Flyer angekündigt, die man mittlerweile schnell im Internet in Auftrag geben kann. Nach dem Mauerfall wurde nicht zuletzt durch die Raves der 1990er-Jahre der Mythos Berlin begründet, der bis heute Millionen Partytouristen in die Hauptstadt zieht. Die wichtigsten internationalen DJs geben sich in den Berliner Clubs die Klinke in die Hand und Musikbegeisterte stöbern in alteingesessenen Plattenläden nach den neusten Trends. Die Geschichten der legendären Berliner Raves ist heute immer noch spürbar: Sie lebt in der Technokultur der Gegenwart weiter.

Bildrechte: Flickr brokenglass 1 mabi2000 CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

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