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Smartphonenutzung an Schulen - erste Ergebnisse

Im Sommer 2018 schlugen die medialen Wogen hoch: Wäre es möglich, per Nutzung der privaten Smartphones der Schüler und Schülerinnen die digitale Bildung an den Schulen zu beschleunigen? Deutschland steht im Spannungsfeld zwischen Verboten und der Förderung von Medienkompetenz. Was hat das seither vergangene Schuljahr gebracht?

Kinder und Jugendliche sind in Deutschland gut ausgestattet: Etwa 79 % dieser Altersgruppe besitzen ein internetfähiges Smartphone, wie Statista feststellt. In den Schulen werden die Geräte oft genug während des Unterrichts und in den Pausen genutzt - allerdings nicht zu Unterrichtszwecken, sondern für private Zwecke. Trotz der Altersgrenze von 16 Jahren stellt insbesondere WhatsApp zusammen mit anderen sozialen Medien eine große Ablenkung dar. Gleichzeitig hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher, was die digitale Ausstattung der Schulen angeht.

WLAN ausbauen, Smartphones nutzen statt schuleigener Geräte

Schulen auf einen brauchbaren Stand zu bringen und mit einer ausreichenden Anzahl digitaler Endgeräte auszustatten, Sod ass Unterricht digital unterstützt werden kann, ist kostspielig. Daher setzen viele Schulen auf ein niedrigschwelliges Konzept: Die Smartphones der Schüler und Schülerinnen können für Unterrichtszwecke von den Kindern und Jugendlichen genutzt werden. Die Schulen bauen lediglich ein leistungsfähiges WLAN auf, so dass das Smartphone im Unterricht nicht zur Kostenfalle wird.

Bedenken zu diesem Konzept gab es von Anfang an: Wie soll man unterbinden, dass die Kinder und Jugendlichen das Smartphone auch außerhalb der gewünschten Nutzung im Unterricht bespielen? Was ist mit dem Datenschutz, mit der womöglich bedenklichen Strahlung, die von den Geräten ausgeht? Und setzt man die Kinder und Jugendlichen nicht einem enormen Konsumdruck aus, wenn man die Ausstattung mit leistungsfähigen Geräten für den Unterricht verlangt?

Handyverbot ist auch keine Lösung

Einige Studien belegen zwar, dass Kinder sich ohne Smartphone in der Tasche besser konzentrieren können. Andere Studien belegen aber auch, dass ein komplettes Verbot der Geräte an den Schulen einfach nicht realistisch ist. Das lässt sich nicht umsetzen. Sehr gute Erfahrungen machen Schulen dagegen mit dem Konzept der sogenannten Handy-Garage: Im Klassenzimmer gibt es einen speziellen Schrank mit abschließbaren Fächern, in die bei Unterrichtsbeginn die ausgeschalteten Geräte gelegt werden. Alle Kinder und Jugendlichen müssen verbindlich während des Unterrichts das Smartphone dort deponieren. Wird das Gerät im Unterricht benötigt, schließt die Lehrkraft den Schrank auf, die Schüler und Schülerinnen holen ihre Geräte heraus und nutzen sie im Sinne des Unterrichts. Wer kein eigenes Gerät dabei hat, ein nicht-kompatibles Betriebssystem nutzt oder dergleichen, darf mit Sitznachbar oder Sitznachbarin zusammenarbeiten.

Individuelle Ausstattungen der Smartphones helfen, dass die Geräte der Kinder nicht verwechselt werden. Denn auch das zeichnete sich von Anfang an ab: Die Vielfalt der von den Kindern und Jugendlichen genutzten Modelle ist gar nicht so groß.

Erste Schritte in Richtung digitale Mündigkeit

Die Erfahrungen zeigen bislang, dass das Smartphone den Unterricht durchaus sinnvoll ergänzen kann. Wenn das Gerät beispielsweise im Kunstunterricht genutzt wird, um über die Kamera und kostenlose Bildbearbeitung-Apps Fotoprojekte bis hin zu kurzen animierten Filmen zu erstellen, ist das ein pädagogischer und fachlicher Gewinn für Schülerschaft wie auch Lehrkräfte. Die Smartphones lassen sich für den naturwissenschaftlichen Unterricht zu Mikroskopen umfunktionieren, können mit dem Beamer im Klassenraum verbunden werden, um Präsentationen multimedial zu unterstützen. Apps wie Phyphox ergänzen den Physikunterricht. Das Smartphone hilft dort weiter, wo die Ausstattung der Schule mit Geräten einfach nicht ausreicht - und das ist durchaus ein Gewinn.

Bildnachweis: www.pexels.com/photo/woman-using-her-smartphone-1391379/

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