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Online-Wetten sind in Deutschland im Aufwind

„Wetten, dass ...“ war Jahrzehnte lang der Deutschen liebstes Kind. Samstag Abend versammelten sich von 1981 bis 2014 ganze Generationen vor dem Fernseher, um bei den gewagten oder skurrilen Wetten mitzufiebern. Die Sendung galt zwischendurch sogar als größte Show Europas. In anderen Rahmen allerdings war das Setzen auf Favoriten nicht so einfach.

Vor allem bei Sportwetten tat sich der Gesetzgeber lange Jahre schwer, innerhalb des Glücksspielstaatsvertrags verbindliche Regelungen für private Wettanbieter zu finden.  Knackpunkt war die EU. Der europäische Gerichtshof entschied 2010, dass das bis dato geltende Glücksspielmonopol der staatlichen Lottogesellschaften in der Bundesrepublik nicht mit EU-Recht zu vereinbaren sei. Das deutsche Gegenargument, Wett- und Glücksspielsucht bekämpfen zu wollen, wurde nicht akzeptiert. Als Gegenbeweis wurde die Werbung für Glücksspiele angeführt.

Die Bundesrepublik entschied sich daraufhin für einen Kompromiss in einem Glückspieländerungsvertrag im Jahr 2010. Bis 2019 sollten 20 private Anbieter probeweise online und im realen Wettbüro Sportwetten anbieten dürfen. Doch weil nicht efolgreiche Lizenzbewerber in Brüssel klagten, lässt eine endgültige Regelung weiter auf sich warten, so wie auch der neue Glücksspielstaatsvertrag zwischen den Bundesländern, der den Markt und das Wettangebot neu regeln soll. Der ist jetzt für den 1. Juli 2021 avisiert.

Bis dahin werden befristete Lizenzen für private Sportwettenanbieter erteilt. Diese müssen wiederum Steuern in Höhe von fünf Prozent des Wettumsatzes an Vater Staat bezahlen. Dabei tragen die seriösen Anbieter dem Sicherheitsgedanken vor allem in Bezug auf den Jugendschutz, der einer der Ursachen für das Zögern der deutschen Gesetzgeber war, längst Rechnung. Zu erkennen sind seriöse Betreiber an einer EU-Glücksspiellizenz. Wer hier online tippen will, muss mindestens 18 Jahre alt sein und das auch nachweisen. Wettquoten und Historie werden deutlich angezeigt. Auffälliges Wettverhalte im Internet löst Warnsignale aus. Die EU ist für die strikte Kontrolle der Regeln bekannt, was es den Online-Kunden leichter macht, dem Anbieter zu vertrauen.

Dabei gehören Tipps auf die Bundesliga beim Fußballtoto seit Jahrzehnten zu den Favoriten bei den deutschen Fans. Doch die teilweise Öffnung des Marktes für Anbieter aus dem EU-Ausland hat die Palette deutlich erweitert und damit spannender gemacht. William Hill Fußball-Wetten erlauben nicht nur Einsätze auf die deutschen Clubs aus der ersten und zweiten Liga. Die Fans können genauso auf die Premier League in Großbritannien, La Liga in Italien, die bevorstehenden Europameisterschaftsspiele, American Football und mehr setzen. Die Sportwelt ist damit fast grenzenlos geworden.

Die neue Vielfalt und gleichzeitige Sicherheit, was die eigenen Einsätze anbelangt, machen sich auch bei den Zahlen bemerkbar. Von 2012 bis 2017 haben sich die Einsätze im deutschen Sportwettenmarkt auf rund 7,7 Milliarden Euro verdoppelt. Mehr als 7,3 Milliarden Euro wurden dabei von privaten Anbietern erzielt. Die staatlichen Lotto- und Toto-Annahmestellen kamen gerade mal auf drei Prozent Marktanteil. Pferdewetten, neben dem Fußball beliebtester Tippsport in der Bundesrepublik, hatten zwei Prozent Marktanteil.

Dabei haben Sportwetten aller Art eine lange Historie. Bereits bei den olypmischen Spielen im Jahr 676 vor Christus setzten die alten Griechen auf den Ausgang von Pferderennen. Schnelle Rösser behielten auch im Lauf der Geschichte ihre Faszination. Vor allem die für ihre Wettleidenschaft bekannte britische Oberschicht setzte mit Begeisterung auf Galopprennen. Im Gegenzug wurde ab dem 19. Jahrhundert ein Teil der Einnahmen in die Veranstaltung der Rennen investiert. Noch heute gehört das Derby im britischen Ascot zu den Höhepunkten des gesellschaftlichen Kalenders. Auch die wettbegeisterte Königin Elisabeth II. schickt regelmäßig Galopper aus ihrem privaten Rennstall an den Start. Buchmacherlizenzen für Pferderennen in Deutschland gibt es seit 1922. Doch Tipps auf die edlen Rösser galten lange als Zeitvertreib der Oberschicht. König Fußball hingegen vereinte die Massen. In Großbritannien waren es Bergarbeiter, die ab 1921 ihre sauer verdienten Pennies auf den Ausgang von Fußballmatchs setzten.

In Deutschland mussten die Wettfans noch länger warten. Erst 1948, kurz vor der Gründung der Bundesrepublik, wurde die erste staatliche Elferwette im Toto eingeführt. Doch nicht alle Fans sind damit zufrieden, nur auf den Ausgang von Begegnungen zu tippen. Vor allem Weltmeisterschaften treiben immer neue Blüten, was verrückte Tipps anbelangt. Bei der WM 2014 konnte darauf gewettet werden, ob der für seine Beißfreudigkeit bekannte Luis Suarez erneut seine Zähne in einen Gegenspieler schlagen würde. Zur Fassungslosigkeit vieler versenkte Uruguays Starangreifer im Vorrundenspiel gegen Italien denn auch tatsächlich seine Beißer in Giorgio Chiellinis Schulter. Obwohl die Schiedsrichter die Beißattacke nicht sahen, genügte der Videobeweis für eine Sperre und Grund zum Jubel bei einigen Wettern.Von vornherein als fast unmöglich galten andere Seitenwetten im Fußball. Wäre Deutschland 2010 in Südafrika Weltmeister geworden und nicht nur dritter, und hätte Finanzminister Wolfgang Schäuble daraufhin für einen Tag die Steuern ausgesetzt, wäre der erfolgreiche Tipper mit einer Quote von 10.000 zu 1 belohnt worden.

Eine ähnlich skurrile Kombi-Wette mit einer Quote von 5000 zu 1 gab es im Jahr 2009. Die abgefahrenen Bedingungen: Frank Walter Steinmeier hätte Bundeskanzler werden müssen, und die FIFA hätte zudem die Bundesrepublik nachträglich zum Gewinner der Weltmeisterschaft 1966 erklären und damit den Briten ihren bislang einzigen Titel aberkennen müssen. Die Wette scheiterte ...

Entgegen fast aller Erwartung erfüllte sich ein anderer Einsatz, in dem es um britische Kicker ging. Der Titelgewinn des in der Vorsaison fast aus der Premier League abgestiegenen Leicester City ging 2015 als Fußball-Wunder in die Annalen der Sportgeschichte ein. Leicester-Fans, die auf ihren Club gesetzt hatten, wurden mit einer Quote von 5000 zu 1 für ihre Treue belohnt. Lukrativ kann aber auch Sachverstand sein. Ein Schleswig-Holsteiner, der die Ergebnisse von drei Achtelfinalsbegegnungen in der Champions League exakt vorhersagte, kassierte als Belohnung rund 100.000 Euro. Eingesetzt hatte er 1,58 Euro.

Damit hatte er außer seinem Wissen um den Sport auch jenes Augenmaß bewiesen, an dem den deutschen Gesetzgebern gelegen ist, wenn es ums Glücksspiel geht. Dabei ist nicht nur der Schleswig-Holsteiner ein Ausnahmetipper, auch seine Heimatregion nimmt eine Ausnahmestellung ein. Weil das Bundesland sich erst spät dem Glücksspielstaatsvertrag angeschlossen hatte, waren die Nordlichter die einzigen, die von vornherein staatliche Lizenzen für Privatanbieter von Sportwetten und Online-Casinos erteilt hatten, was auch Schleswig-Holsteins Säckel zu Gute kam und kommt. Die zwischenzeitlich ausgelaufenen Lizenzen sind bis 2021 verlängert worden. Wetten, dass...?
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