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FC Union Berlin - Spiel vor Zuschauern gerät außer Kontrolle

Für das Pilotprojekt wird es wohl Folgen geben Ramba Zamba auf dem Fußballplatz

Dank eines durch den Berliner Senat genehmigten Pilotprojekts durfte der 1. FC Union Berlin das Fußballspiel gegen Leipzig seit langem mal wieder vor 2000 Zuschauern antreten. Doch der 2:1-Sieg gegen RB Leipzig im Stadion an der Alten Försterei ebnete dem Klub nicht nur den Einzug in die Conference League, sondern sorgte ebenfalls für ein nicht Corona-konformes Eklat von Seiten der Berliner Fans. Diese nahmen den Sieg nämlich zum Anlass für eine Party auf dem Parkplatz, der sich vor dem Stadion befindet. Überwiegend ohne Maske und zusätzlich dicht gedrängt ohne Abstand wurde ausgelassen gefeiert bis tief in die Nacht.

Das Pilotprojekt

Der Antrag für dieses Pilotprojekt von Seiten der Union wurde in gutem Glauben vom Sportsenator Andreas Geisel genehmigt, nicht zuletzt, weil ein solches Projekt auch wichtige Erkenntnisse für zukünftige Veranstaltungen in Zeiten der Corona-Pandemie liefert. Die Zustimmung für dieses Pilotprojekt begründete allem voran die niedrige 7-Tage-Inzidenz, die in Berlin vorherrschte. Geisel sah in diesem wichtigen Spiel gegen RB Leipzig eine gute Möglichkeit, die Zuschauerrückkehr zu testen.

Während des Spiels lief schließlich auch alles gesittet ab. Geisel selbst betonte noch, dass der Fußball von Emotionen lebe. Doch dass diese Emotionen nicht mit dem Abpfiff des alles entscheidenden Spiels aufhören würden, hatte er dabei offensichtlich nicht bedacht. Die Fans der Union sorgten letztlich nicht nur im Stadion, sondern nach Spielende auch noch vor dem Stadion für beste Stimmung. Unterstützt und in ihrem Verhalten bestätigt wurden sie schließlich auch noch von den Spielern des 1. FC Union Berlin, die winkend auf dem Balkon des Stadions standen. Berlins Trainer, Urs Fischer, warf zur Feier des Tages sogar seine Trainingsjacke in die feiernde Meute. Vor dem Stadion an der Alten Försterei herrschte mit über 4000 feierwütigen Fußballfans eine Atmosphäre als wäre Corona nur ein Traum und das Virus selbst nie existent gewesen.

Große Hürden für die Zukunft

Der Regierende Bürgermeister Berlins, Michael Müller, betrachtet das Pilotprojekt seither mit einem kritischen Auge. Im Radio kündigte er an, dass dieses Ereignis ein Nachspiel haben werde. Der Verein sei seiner Meinung nach mitverantwortlich an denn eine anschließende Party wurde mit keinem Wort ausdrücklich verboten. Ob ein solches Projekt in Zukunft noch einmal möglich sei, ist für Müller derzeit noch fraglich. Seine Bedenken, ob die nächste Zusammenkunft einer solchen Menschenmenge erneut derart ausartete, stellt für ihn hohe Hürden für eine weitere Genehmigung.

Ein Sprecher aus der Sport- und Innenverwaltung betonte allerdings, dass man das Pilotprojekt getrennt von den Geschehnissen im Anschluss betrachten müsse. Letzteres war ein Verhalten, das von Seiten des Senats weder genehmigt noch gebilligt worden wäre. Doch im Stadion selbst lief letztlich alles wie geplant. Man werde mit Union jedoch noch ein ernstes Wort führen müssen. Auch die Sponsoren des Vereins nahmen auf Grund des Vorfalls Kontakt zur Führung des Erstligisten auf.

So äußerte sich der Wettanbieter Bwin besorgt und legte der Vereinsführung nahe, in Zukunft stärker auf die Hygienebestimmungen zu achten. Der österreichische Buchmacher schneidet regelmäßig in verschiedenen Wettanbieter-Tests besonders gut ab und ist in der Branche dafür bekannt auch von ihren Partnern zu erwarten, dass alle gesetzlichen Regelungen erfüllt werden.

Das Statement des Vereins

Dirk Zingler, Präsident der Union, rechtfertigte die Party vor dem Stadion mit der Begründung, dass man den Zuschauern und Fans entsprechenden Freiraum geben wollte, um ihren Emotionen freien Lauf zu lassen. Man habe ihnen deshalb den Platz vorm Stadion freigegeben, man habe die Fans aber zu keinem Zeitpunkt zu einem solchen Verhalten aufgefordert. Seine Behauptung, die Party sei im Voraus angekündigt und abgesprochen gewesen, wies der zuständige Chef der Berliner Senatskanzlei, Christian Gaebler, deutlich zurück. Zingler ist dennoch der Ansicht, dass die Fans sich nicht zurückgezogen hätten, selbst wenn es der Klub ausdrücklich verlangt hätte.

Dennoch ist er sich bewusst, dass der 1. FC Union Berlin in seiner Rolle als Veranstalter die Konsequenzen zu tragen hat und dafür auch einstehen wird. Nach eigenen Aussagen bedauere Zingler, dass dieses freudige Ereignis so außer Kontrolle geraten ist, bat im gleichen Zug aber auch um Verständnis. Union habe sich darum bemüht, die Besucher und Fans auf die Einhaltung des Abstandes hinzuweisen und zum Tragen einer Maske aufzufordern. Doch die Menschen waren "kaum zu halten". Die Lage sei von der Polizei, die mit 300 Beamten vor Ort war, verlässlich im Blick behalten worden. Es seien von der Polizei aber auch bereits erste Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

Die Stimmen der Politik

Für diese Aktion hagelte es für den 1. FC Union Berlin nicht nur Kritik durch den Senat und Bürgermeister. Auch Thomas Härtel vom Landessportbundes Berlin brachte seinen Ärger darüber zum Ausdruck. Er schrieb auf Twitter unter anderem, dass Union mit diesem Verhalten in der Pandemie kein Vorbild sei. Die Sport-Politiker Berlins sind sich überwiegend einig. Sie fordern Konsequenzen für die Berliner Fußballmannschaft. Politiker der FDP spielen sogar mit dem Gedanken, alle Pilotprojekte dieser Art für den Fußball vorerst auszusetzen. Man solle sich bei solchen Projekten vielleicht auf andere Sportarten konzentrieren, bei denen die Fans eine diszipliniertere Atmosphäre an den Tag legen würden.

In den Reihen der Politik herrscht zum Großteil Einigkeit: Das Pilotprojekt, wie es beim Spiel zwischen Union Berlin und RB Leipzig stattgefunden hat, ist gänzlich gescheitert. Der sportpolitische CDU-Sprecher, Stephan Standfuß, drückt sein Unverständnis gegenüber der Nichteinhaltung der Maskenpflicht aus. Er habe das Gefühl, man hätte das Pilotprojekt geradezu ausgenutzt für dieses unmögliche Verhalten. Auch der Sportpolitiker Dennis Buchner aus der SPD-Fraktion stimmte diesen Aussagen zu. Er empfand die im Anschluss an das Fußballspiel statt gefundene Fanparty als einen respektlosen Akt gegenüber denjenigen, die seit langem den Verzicht auf sportliches Treiben aushalten und ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum reduzieren.

Maßlose Verstöße

Nach und nach erreichen die Innenverwaltung Berlins vermehrt Hinweise, dass es auch im Stadion bedenkliches Verhalten im Bezug auf das aktuelle Pandemie-Geschehen gab. Die von Seiten des Senats genehmigten Vorgaben, darunter die strikte Einhaltung des aufgestellten Hygiene-Konzepts sowie ein negativer Corona-Test, um sich Zugang ins Stadion zu verschaffen, seien scheinbar nicht zu jedem Zeitpunkt eingehalten worden. Man wolle deshalb das durchgeführte Pilotprojekt genauer unter die Lupe nehmen, so die Berliner Innenverwaltung. Auch der Verein selbst wird noch einmal nur Stellungnahme herangezogen werden.

Was vermutlich überwiegend zu dieser Eskalation führte, war die Tatsache, dass sich vor dem Stadion an der Alten Försterei auch zahlreiche Fans versammelt hatten, die nicht im Besitz einer Eintrittskarte waren. Sie hatten dem Spielgeschehen von der Waldseite aus zugeschaut und wollten im Anschluss zur Party dazustoßen. Fatal ist auch, dass nicht nur die Hygiene-Vorgaben und die Regelungen des Infektionsschutzgesetzes außer Acht gelassen wurden, sondern darüber hinaus auch Feuerwerkskörper und Nebeltöpfe gezündet worden seien, wie der Sprecher der Polizei, Hartmut Paeth, mitteilte.