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Freiburg im Breisgau

Münster, Freiburg im Breisgau

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Münster, Freiburg im Breisgau
Münsterplatz
79098 Freiburg im Breisgau



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Freiburger Münster
Der Bau des Freiburger Münsters oder Münster Unserer Lieben Frau durchlief drei stilistische Bauphasen: die „konradinisch“-romanische , die „bertholdinisch“-spätromanische und die gotisch-spätgotische. Die konradinische Phase ist nach dem Zähringer Konrad I.benannt und beginnt um 1120 ; in diesem Jahr erhielt das schon früher gegründete Freiburg von ihm und seinem Bruder Berthold III.das Markt- und Stadtrecht: Diese beiden Zähringer gelten daher als „Stadtgründer“. Vom ersten Bau existieren nur noch Fundament reste. Unter dem letzten Zähringer Berthold V. begann 1210 /1220 die zweite Bauphase in spätromanisch-dreischiffigem Stil mit Westturm, Querhaus, Chorapsiden und Chortürmen. Hiervon sind nur noch das Querhaus und die Stümpfe dieser Türme erhalten. Die dritte um 1230 begonnene Bauphase brachte dem Münster im Wesentlichen die heutige Gestalt.
Das Münster ist die Stadtkirche von Freiburg im Breisgau und erst seit 1827 Bischofssitz (Erzdiözese Freiburg). Somit ist die Kirche heute formell eine Kathedrale und wird nur aus Tradition noch Münster genannt. Während der Bau in einer lateinischen Urkunde vom 27. Mai 1298 noch als Pfarrkirche („ecclesia parochialis“) bezeichnet wird, erscheint die Bezeichnung Münster erstmals am 24. Dezember in einer Urkunde der Pfalzgräfin Klara von Tübingen, der Tochter des am 9. November 1356 gestorbenen Grafen Friedrich von Freiburg: „zuo Friburg in dem münster“. Man hatte also den zur Bezeichnung von Großkirchen gewordenen Namen für den gotischen Erweiterungsbau übernommen.

Architektur
Der markante Turm des Münsters, vom Schweizer Kunsthistoriker Jacob Burckhardt einst als „Schönster Turm in der Christenheit“ bezeichnet, ist 116 Meter hoch.
Am Fuße des Turms ist der Bau fast quadratisch im Grundriss; die Mauern sind wuchtig und fast ohne Durchbruch. Der Turm wird ungefähr auf seiner Mitte von der zwölfeckigen Sterngalerie umgeben. Oberhalb der Galerie setzt sich der Turm als Achteck fort. Der achteckige Teil geht über in die sogenannte Laterne, die auch begehbar ist. Auf dieser Höhe ist der Turm bereits vielfach durchbrochen; von dessen acht hohen Spitzbogenfenstern geben vier den Blick nach außen frei. Über der Laterne befindet sich der ebenfalls achteckige, filigrane und vielfach durchbrochene Turmhelm. Die Rippenbögen sind mit Krabben besetzt. Seine Ausdruckskraft gewinnt der Turm durch die architektonisch vollendeten, wie spielerischen Übergänge von der viereckigen über die zwölfeckige zur achteckigen Form in den Turmhelm bis zur Helmblume auf der höchsten Spitze. Als Hauptbaumaterial wurde Sandstein verwendet, der im Mittelalter vor allem am Lorettoberg abgebaut wurde.
Es ist der einzige derartige gotische Kirchturm in Deutschland, der noch im Mittelalter vollendet wurde (um 1330) und seitdem fast wie ein Wunder die Zeit überdauert hat, auch den Bombenangriff vom 27. November 1944, der die Häuser in der nächsten Umgebung des Turmes zerstörte. Allerdings wurde das Gebäude durch die Erschütterungen stark in Mitleidenschaft gezogen. Dass auch der filigrane Turmhelm die Erschütterungen überstand, wird auf die Bleianker zurückgeführt, die als Verbindung der einzelnen Segmente des Turmhelmes dienen. Die Fenster waren vor dem Angriff herausgenommen worden und überstanden deshalb ebenfalls die Erschütterungen.
Zur Zeit des Münsterbaus war Freiburg kein Bischofssitz; daher besitzt die Kirche im auffallenden Kontrast zu anderen gotischen Kathedralen nur einen Turm. Zwei Türme waren allein Bischofskirchen vorbehalten. Zum Bischofssitz wurde Freiburg erst 1827.
Berthold V. († 1218), wollte eine angemessene Grabstätte schaffen und den konradinischen Bau, die zu klein gewordene Pfarrkirche aus der Gründungszeit der Stadt, ersetzen. Anfänglich wurde mit dem Bau im spätromanischen Stil, nach dem Vorbild des Basler Münsters, begonnen. Davon sind heute noch das Querschiff und die Stümpfe der Seitentürme erhalten. Ab etwa 1230 wurde der Bau aber im neuen Stil der französischen Gotik fortgesetzt mit dem Langhaus und dem Turm. Anschließend wurde der spätgotische Chor mit Kapellenkranz errichtet, zu dem am 24. März 1354 der Grundstein gelegt wurde (mit mittelhochdeutschem Text: „von gottes geburt mcccliiii jar an unser frowen abent in der uasten leit man den ersten stein an disen kor“). Nach einer Bauunterbrechung von etwa 100 Jahren wurde der Chor 1513 vollendet; erst kurz zuvor hatte man um 1475 den spätromanischen Chor abgebrochen, um den herum der neue Chor gebaut worden war. Im 16. Jahrhundert wurde an die Südfassade des romanischen Querschiffs die Renaissancevorhalle angefügt. Besonders beachtenswert ist die Zahl an bizarren Wasserspeiern, die nur an wenigen anderen gotischen Kirchen ihresgleichen hat.
Der Turm beherbergt 16 Glocken, die älteste ist die „Hosanna“-Glocke aus dem Jahr 1258, sie wiegt 3290 kg und ist eine der ältesten erhaltenen Glocken in dieser Größe. Den Glockenklang der Hosanna kann man donnerstagabends nach dem Angelus, freitags um 11:00 Uhr (deshalb „Spätzleglocke“), samstagabends und an jedem 27. November hören.

Innenausstattung
Die bedeutendsten Stücke sind der Hochaltar von Hans Baldung Grien und ein Altar von Hans Holbein dem Jüngeren in einer der Chorkapellen.
Die Fenster wurden von den Handwerkszünften gestiftet, deren Symbole wie Brezel, Stiefel usw. sich auf ihnen wiederfinden. Seit 2003 wird der Chor in der Fastenzeit mit dem Fastentuch von 1612 verhängt. Dieses wurde restauriert und mit einem stützenden Stoff versehen. Es weist ein Gewicht von über einer Tonne auf.
Im Chor befindet sich das vom Bildhauer Johann Christian Wentzinger entworfene Grabmal des habsburgischen Generals v. Roth. Frisch renoviert präsentiert sich seit November 2004 die gotische Portalhalle im Westturm in neuem Glanz. Sie zeigt auf dem Tympanon eine Weltgerichtsdarstellung, die um Szenen aus dem Leben Jesu (Geburt und Passion) erweitert ist. Im Mittelpunkt steht Christus als barmherziger Richter. Die Archivolten zeigen wichtige Figuren des Alten Bundes und weisen so auf die Kontinuität von Altem und Neuem Bund hin. Das Portalgewände ist von einem Marienzyklus besetzt, in dessen Zentrum eine großartige Mariendarstellung auf dem Trumeaupfeiler des Portals steht. Bei der Renovierung und Säuberung der Figuren wurde bewusst der Zustand der vorangegangenen Renovierung aus den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts wieder hergestellt, für die damals der Freiburger Glasmaler und Künstler Fritz Geiges verantwortlich war.
Bekannt ist das Freiburger Münster auch wegen seiner Orgel. Die vierteile Anlage, bestehend aus der Marienorgel, der Langschifforgel, der Michaelsorgel und der Chororgel ist eine der größten Orgeln Deutschlands und der Welt. Die Orgeln können einzeln und über einen Zentralspieltisch gemeinsam bespielt werden. Die Orgeln stammen von verschiedenen Orgelbauern (Rieger, Marcussen, Späth und Fischer+Krämer) aus den Jahren 1964-66, teilweise erneuert und umgebaut 1990 und 2001.
Umstritten ist die Neugestaltung des Altarraumes (Altar, Ambo, Bischofskathedra und Chorgestühl) durch den Münstertäler Künstler Franz Gutmann, die bis Dezember 2006 abgeschlossen sein soll. Die schlicht gehaltene Umgestaltung, besonders aber die geplante Entfernung des Annen- und des Dreikönigsaltares ruft teils heftige Proteste bei der Bevölkerung und bei den Gläubigen hervor.

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